#4Wochenrückblick... Dienstag&Mittwoch
- 10. Jan.
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Jan.
Heute ist Samstag der 10.01.26, es liegen 4 ereignisreiche Arbeitstage hinter mir.
Also was war los...
Dienstag
Dienstag war großer Klärungstag... geklärt wurde fast gar nichts, im Gegenteil ich war verwirrter als zuvor.
In einer meiner großen AWG gab es über das Wochenende viel Chaos, es wurden Gegenstände von Mitbewohnern zerstört, ein Besucher hat sich in ein Bewohnerzimmer eingeschlossen, einer meiner Bewohner war 2x in der Rettung da er nicht mehr laufen konnte.
Ich selbst war zu den Ereignissen natürlich nicht vor Ort. Am Dienstagnachmittag bin ich also rüber, es warteten schon drei Klienten auf mich, wir saßen im Aufenthaltsraum. Sie berichteten von den vergangenen Ereignissen, allen voran vom dem zweimaligen Abtransport eines Mitbewohners (Hr. N.) mit einen RTW und den damit verbundenen Einschluss in dessen Zimmer durch einen Besucher. Während des Gesprächs gesellten sich zwei weitere Bewohner dazu und schilderten ihre Sicht der Dinge. Alle waren sehr erregt, verlangten Konsequenzen. Innerhalb des Gesprächs stellte sich aber heraus, dass niemand selbst das Ereignis beobachten konnte, keiner hat gesehen dass der Besucher sich tatsächlich in dem Bewohnerzimmer eingeschlossen hatte. Diese Behauptungen beruhten lediglich auf den Erzählungen des betreffenden Klienten, welcher heute nicht hier war. In mir wuchs Skepsis, Hr. N. erzählt häufig Unwahrheiten... na gut muss ich mit ihm nochmals reden. Ich hinterließ ihm einen Zettel mit der Aufforderung mich morgen telefonisch zu kontaktieren.
Klar war, dass es massive Unruhe unter den Bewohnern gab, Gerüchte kursierten.
Als i-Tüpfelchen fand ja noch die Zerstörung eines Pflegehilfsmittels statt. Keiner hatte jemanden dabei beobachtet, niemand wusste wer es war, trotzdem wurden bestimmte Bewohner verdächtigt. Ich versuchte die Fixierung aufzulösen, schließlich könnte jeder der 7 Bewohner der Verursacher sein. Ich möchte eine Eskalation verhindern. Trotzdem bin auch
ich höchst verärgert, warum wird ein Pflegehilfsmittel zerstört???
Als Drittes musste ich den Klienten Hr. S. unter vier Augen sprechen, da er nachweislich gegen die Hausordnung verstoßen hatte. Im Gespräch bekam ich schnell das Gefühl, die Hausordnung sei ihm egal, er erklärte mir die Hausordnung sei rechtlich aushebelbar... ich dachte ich höre schief, konterte das in den Räumlichkeiten des Trägers selbstverständlich die Hausordnung Bestand hat und nichts, aber auch gar nichts an der Hausordnung rechtswidrig bzw. rechtlich aushebelbar ist. Meine Reizschwelle sank schlagartig um 50%. Aber selbstverständlich kann Herr S. die Ansage nicht auf sich sitzen lassen und erklärte mir dann, die Einrichtung sei darauf angewiesen das die Bewohner dort bleiben und die Zimmer bewohnen, schließlich würde dadurch ja Geld eingenommen werden, die Plätze würden schließlich vom Amt bezahlt direkt an uns... ich dachte mein Schwein pfeift. Der hat jetzt nicht ernsthaft gesagt, wir sind auf seinen Verbleib hier angewiesen, weil das Amt bezahlt??? Er könne sich deswegen über die Hausregeln hinwegsetzten??? Was ist das denn für eine Hilfe-Bedürftigkeits-Umkehr??? Nö, nicht wir sind auf die Bewohner angewiesen, sondern die Bewohner auf uns bzw. auf die Unterkunft bei uns. Immerhin sind sie es die keine Wohnung haben und von Obdachlosigkeit, also den Verbleib unter freiem Himmel, bedroht sind. Geht ein Bewohner, kommt in kürzester Zeit jemand Neues, die Zimmer sind schnellstens wieder belegt, der Bedarf ist in unserer Stadt enorm groß. Nachdem ich dies Herrn S. genauso mit Bestimmtheit mitgeteilt habe, war er sichtlich überrascht und überrumpelt, seine Reaktion hat deutlich gezeigt, bisher sind solche deutlichen Worte seitens der Mitarbeitenden nie gefallen. Ich lasse mich doch nicht von Klienten unter Druck setzten, wo soll das denn enden?
Mittlerweile war ich fast 4 Stunden vor Ort mein Arbeitstag also 9 Stunden lang... ich entschied Feierabend zu machen und fuhr mit Wut im Bauch nach Hause.
Mittwoch
Morgens fuhr ich immer noch mit Wut im Bauch zur Arbeit. Ich betrat das Büro und wurde sofort von zwei Kollegen belagert, auf meiner Vertretungsetage im Haupthaus (HH) gab es gestern Abend/Nacht und am Morgen viele Probleme mit diversen Klienten der Etage. Alles wurde mir fröhlich berichtet. Ich solle mich darum kümmern... Scheinbar haben meine Kollegen kein Fünkchen Feingefühl, das ich eh schon angespannt war. Ich hätte heulen können. Ich habe beiden Kollegen klar mitgeteilt, das ich aktuell in meinen AWG's sehr gefordert bin, ich es nicht schaffe auch noch komplett allein die Probleme im HH zu bewältigen... das kam scheinbar an, beide sind hoch und haben betreffende Klienten GEMEINSAM aufgesucht. Naja, ich sollte dies also alleine machen, beide sehen sich jeweils aber allein nicht in der Lage dazu, seltsame Wahrnehmung haben meine Kollgen oder einfach wenig Weitblick. Nun gut, immerhin kümmern sie sich jetzt.
Das Telefon läutet, ich gehe ran. Am Apparat ist Hr. N. er hat meinen Zettel gefunden, ich sage ihm, das ich ihn persönlich sprechen möchte, es noch Klärungsbedarf gibt. Er hört nicht zu, berichtete eine skurrile Geschichte zu seiner Gesundheit. Von der Rettung sei er jeweils nachts ohne finden einer Ursache für seine Beschwerden nach Hause geschickt worden. Nun habe er selbsttätig eine andere Klinik aufgesucht, dort haben sie einen Wirbel entdeckt welcher rausgesprungen sei. Dort sei ihm dann nachhaltig geholfen worden, man habe ihn in eine heiße Wanne gelegt danach sei ein Arzt auf seinen Rücken lang gelaufen und zack... der Wirbel sei wieder drin gewesen... Ich bin maximal genervt, ich glaube diese Story nicht. Ich mache ihm klar, dass ich ihn persönlich sprechen möchte, er berichtet zur Nachkontrolle täglich in die Klinik zu müssen, er könne mir erst nachmittags Bescheid geben, wann er Zeit habe. Okay, ich fordere ihn auf, sich nachmittags zur konkreten Terminabsprache zu melden. Tja, was soll ich sagen... er meldete sich natürlich NICHT.
Plötzlich steht ein Bewohner aus einer anderen AWG in der Tür, das Jobcenter hatte Kontoauszüge nachgefordert, er bringt sie, sehe sofort das diese nicht vollständig sind, bitte ihn alle Kontoaszüge abzugeben. Er habe sie nicht mehr vollständig... ob ich das mit dem Jobcenter klären könne... ähm nöööööö. Ich kläre gar nichts, es ist schließlich sein Bürgergeld welches dann eben nicht mehr gezahlt wird und dann kann er gleich ausziehen, schließlich wird die Unterkunft bei uns dann auch nicht mehr gezahlt. Er ist irritiert, ich erkläre ihm das wir keine Wohlfahrt sind, niemanden hier umsonst leben lassen können... Was denken sich denn die Leute wie die Einrichtungen finanziert werden? Das wir das Geld vom Baum ernten? Ich fordere ihn auf, sich neue Kontoauszüge am Schalter seiner Bank zu besorgen, dies ggf. etwas Kosten wird. Das Jobcenter fordert lückenlose Auszüge für einen bestimmten Zeitraum, da kann auch ich nichts dran ändern. Er stimmt zu und geht. Ich bin schon wieder richtig genervt, es könnte doch so einfach sein einen Folgeantrag zu stellen... es KÖNNTE!!!
Ich gehe kurze Zeit später hoch in mein Büro auf meiner Vertretungsetage, erledige Schriftkram, unterstütze dann die beiden Kollegen oben. Zack...und vorbei ist der Vormittag.
Die tägliche Übergabe steht an. Ich berichte vom gestrigen Tag in der großen AWG, mache meinen Unmut Luft, ich möchte Konsequenzen ziehen, teile ebenso meine aktuelle Überforderung zusätzlich mit der derzeitigen Vertretungssituation mit. Die Kollegen sind erstaunlich zugewandt und verständnisvoll... ich bin positiv überrascht. Alle stimmen zu, dass Konsequenzen folgen müssen, die Klienten in der großen AWG die Regeln nicht ernstnehmen. Es soll Abmahnungen und Rückzüge geben. Ich atme durch.
Nach der Übergabe gehe ich erleichtert auf die Etage, kümmere mich um die letzten Anliegen und gehe müde, aber entlastet in den Feierabend. Ich treffe mich mit einer Freundin und freue mich auf Quality time.


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