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#7Teamarbeit oder doch Einzelkampf?

  • 2. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Empathie DAS Schlagwort in der Sozialen Arbeit. Als empathisch halten sich ausnahmslos alle Mitarbeitenden. Genauso wie sich alle für hochgradig pädagogisch qualifiziert empfinden und für grandiose Teamplayer halten. Die Kompetenz zur wirklichkeitsnahen Selbstreflexion von Sozialarbeitern ist definitiv ausbaufähig. Oft erlebe ich Sozialarbeitende als seltsam überheblich, ich bezeichne das Verhalten gern als Pädagogische Arroganz. Gepaart ist diese Arroganz oftmals mit übermäßigem Rededrang und ausschmückenden Monologen kombiniert mit verminderten Arbeitsleistungen. Hier möchte ich ausdrücklich anführen, dass natürlich nicht alle Sozialarbeiter dem beschriebenen Bild entsprechen, sondern durchaus Teamplayer und kompetente Fachkräfte sind. Also wie ist mein aktuelles Team denn so?


Wir sind fünf Sozialarbeiter und ein Chef, alle Büros befinden sich im Haupthaus auf den fünf Etagen verteilt. Ich teile mir ein Büro mit einer Kollegin. Alle Kollegen dümpeln völlig autark auf Ihren Etagen, was eigentlich ja auch okay wäre. ABER jeder macht, wie er es denkt, was zur Folge hat das es auf jeder Etage unterschiedliche Regeln gibt. Ich bin immer wieder irritiert, warum es so dermaßen different gehandhabt wird. Eigentlich gibt es eine Hausordnung, welche einen Gesamtrahmen bietet. Die Umsetzung der Hausordnung ist überhaupt nicht gegeben. Oft habe ich den Eindruck es wird nach Sympathie entschieden. Einige Klienten verstoßen wiederkehrend dagegen und erhalten keine Konsequenzen, andere werden sofort rausgeworfen. Finde ich ganz skurril!


Ich bin für die drei Außenstellen zuständig und zwar ganz allein. Ich MUSS täglich an den Teamübergaben teilnehmen, höre mir brav die Probleme der Kollegen an. Ich bin als Letzte an der Reihe und merke immer wieder, dass es niemanden interessiert, was in meinen WG's aktuell los ist. Nicht mal mein Chef fragt nach. Wenn ich Probleme oder schwierige Klienten habe ernte ich ein lustloses AHA und Schulterzucken. Es ist deprimierend. Insbesondere weil ich mich stets einbringe Lösungen für schwierige Situationen der Kollegen mitzudenken. Ich höre aktiv zu, merke mir viel von den jeweiligen Klienten der Kollegen und werde auch stets gefragt, ob ich jenes oder dieses noch wisse. Es wird von mir erwartet, dass ich gut im Haupthaus Bescheid weiß. Ich habe meinen Chef bereits mitgeteilt, dass mir die täglichen Übergaben für meine konkrete Arbeit nichts bringen, ich die Zeit effektiver nutzen kann. Tja... die Antwort von meinem Chef war ein Schlag, er meinte ich müsse weiterhin teilnehmen, ich solle für den Vertretungsfall im Haupthaus über das Wichtigste Bescheid wissen. Grundsätzlich kann ich das nachvollziehen und sehe den Sinn, andererseits kann keiner der Kollegen mich gut vertreten, sollte ich ausfallen. Mittlerweile weiß ich, sobald ich aus dem Urlaub wiederkehre, finde ich alle meine WG's in Chaos vor. Es fühlt sich keiner zuständig, nicht mal meine Vertretungen. Vor meinem letzten Urlaub hatte ich einen krisenhaften Klienten, nachdem ich wieder da war berichtete meine Vertretung, sie habe mehrfach angerufen, ihn jedoch nicht erreicht, dann sei es eben so. Ich dachte ich bin im falschen Film, habe sie gefragt, warum sie nicht hingefahren ist um zu checken, ob er noch lebt... keine Antwort. Ja super, klasse Vertretung!!! Später erfuhr ich, die Vertretung war nirgends vor Ort. Ich war sauer, fragte bei entsprechender Kollegin nach. Die Antwort zog mir schier die Schuhe aus... sie meinte die Klienten seien alle erkältet gewesen, sie habe keinen Bock gehabt sich anzustecken... spinnt die? Die rennt doch auch auf ihre Etage, wenn ihre Klienten dort krank sind und auch für mich ist das keine Ausrede, um dem Haupthaus fernzubleiben, ich käme gar nicht auf die Idee. Tja da muss ich mich nicht wundern, wenn ich dann nach dem Urlaub alles, was schief lief inklusive Konflikte geradebiegen muss. Aber nebenbei soll ich dann natürlich die Etage meiner Kollegin vertreten und das doch bitte ordentlich. Während den Übergaben soll ich doch bitte auch minuziöse Infos mitteilen können meiner Vertretungsetage. Es fühlt sich echt scheiße an, wenn die Schwierigkeiten in meinen Außen-WG's keine Sau interessieren, ich aber für das Haupthaus zur Stelle stehen soll.


Mein Chef ist dabei eine ganz besondere, wenn auch nicht seltene, Spezies. Er hat es meisterhaft drauf mit den Schultern zu zucken und Augen zu rollen. Seine Lieblingsaussagen erstrecken sich von "ich weiß jetzt auch nicht, was man machen soll", über "ich habe kein Bock mich darum auch zu kümmern" bis hin zu "musst du doch wissen, du bist die Fachkraft". Das war nur die Auswahl der TOP 3!!! Er erwartete zu allem Überfluss, dass ich mich, um alles, was mit den Außenstellen zu tun hat kümmere, selbst wenn es um Angelegenheiten geht, was die Vermietung betrifft. Hauptsache er hat damit nichts zu tun. Dauernd merke ich, dass er überhaupt nicht gut informiert, ist über jegliches. Wissen welches ich von einer Leitung erwarte, um ein Team ordentlich führen zu können ist nicht vorhanden. Pädagogisches Knowhow Fehlanzeige. Ein Macher, der die Zügel in die Hand nimmt, wenn das Team lost ist... Wunschtraum. Meine Realität sieht so aus, dass ich einen konfliktscheuen Chef habe, der sich ständig auf Teamarbeit beruft, aber nur wenn er überfordert ist, er selbst lässt das Team oft sich selbst überlassen. Ein Chef der keine Ahnung hat vom Hilfesystem, vom ASOG, von Krisenintervention. Ein Chef der weder ein Gefühl für das Klientel noch für das Team hat. Ein Chef der mit Entscheidungen überfordert ist. Ein Chef, der auf Hinweisen zu Überlastungen der Mitarbeiter nur sagt, dann solle man einfach weniger arbeiten. Ein Chef der schlicht kein Chef ist. So kann kein gemeinsames Team entstehen, jeder ist froh, wenn er seinen eigenen Kram allein geregelt bekommt. Also meine Quintessenz ist: Alleinkämpfer statt Teamplayer... nur so komme ich durch meine aktuelle Arbeit, ansonsten renne ich sehenden Auges ins Burnout....

 
 
 

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